Auf der Suche nach den Farben – Von Montreal nach Vermont

Auf der Suche nach den Farben – Von Montreal nach Vermont

Ozys Roadtrip von Calgary nach Montréal

Während ich mich in der Schweiz verwöhnen liess, ist Ozy mal eben von Calgary nach Montreal gefahren. Er hatte einen Monat Zeit für die rund 3600 km Strassen, die ihn quer durch die Prärien Albertas, Saskatchewans und Manitobas sowie die ausgedehnten Wälder östlich von Winnipeg führten. Da er nicht so der «Waldmensch» ist, verbrachte er so lange wie möglich in den Präriestaaten, auch wenn es manchmal stürmisch oder mit über 30 °C auch sehr heiss war. Hier gab es zahlreiche kleine, oft städtische Stellplätze, die zum Teil sogar gratis waren. Zwischendurch löste er ein kleines Elektroproblem im Motorraum und lud einen Präriebussard / Swainson’s Hawk auf, der die Kollision wunderbarerweise unverletzt, wenn auch etwas beduselt, überlebt hat. Hinter Winnipeg, d.h. sobald er in die bewaldeten Gegenden kam, wurde es schwieriger mit den Übernachtungen, doch er war bald in Montreal, in dessen Nähe er einen Stellplatz bei der Marina von Longeuil fand und auf mich warten konnte.

 

Montréal

Am 7. September fliege ich nach Montreal. Ich komme überraschend gut durch den Check-In am Flughafen Zürich und auch die Security geht noch einigermassen speditiv voran, aber bei der Passkontrolle eine lange Schlange (die Automaten für CH- und Schengen-Mitglieder sind nicht offen) und dann herrscht ums Abflug-Gate das richtig grosse Chaos: auch die Kanadier wollen vor dem Abflug die Pässe (und Visas bzw. ETAs) kontrollieren und die Leute stehen in langen Schlangen entlang des halben Terminals. Zum Teil wissen sie gar nicht, wofür sie anstehen oder wo das Ende der Schlange ist. Alles ist total unorganisiert und ich schäme mich fremd für die Schweiz oder zumindest den Flughafen Zürich. 

Nach einem um 50 Minuten verspäteten Abflug (wegen zu wenig Personal für die Kabinenreinigung) und einem recht ruhigen Flug dann die um 40 Minuten verspätete Landung in Montréal. Kaum ausgestiegen, stehe ich schon wieder in einer langen Schlange, die immer schubweise vorrückt: die Ankunftshalle unten mit Maschinen für die «Self-Immigration» ist voll und die Leute werden in Portionen hinuntergelassen, weil es sonst einen Rückstau auf die Rolltreppe gäbe. Irgendwann bin ich dann wenigstens mal in der Schlange unten in der Halle… Die Maschinen, die in parallelen Reihen angeordnet sind, haben grüne Lichter, wenn sie frei werden, aber irgendwie kommen von verschiedenen Orten Leute und es passiert mir mehrere Male, dass ich auf eine «freie Maschine» zusteuere und mir gerade jemand aus einer anderen Richtung um Zehntelssekunden zuvorkommt und ich dumm dastehe. Schliesslich platziere ich mich einfach hinter einer andere Person und warte, bis diese fertig ist.
Die maschinelle Selbstdeklaration funktioniert ganz gut und es fühlt sich etwas seltsam an, sozusagen an den Officers vorbeizulaufen, die nur ganz kurz nach woher und wohin nachfragen. Was ich nicht realisiert hatte, ist, dass man am Zoll den von der Maschine ausgedruckten Deklarationszettel abgeben muss. Zum Glück finde ich das zerknitterte Ding noch in einer meiner Hosentaschen…

Das Treffen mit Ozy funktioniert dann recht gut. Er hat im Vorfeld bereits rekognosziert und kann mir sagen, wo ich mich draussen ungefähr hinstellen soll. Da er nicht warten kann (es ist ein dreispuriges «Puff» beim Arrival) fährt er Runden und pickt mich dann sozusagen im Vorbeifahren auf. Uff!

 

Er hat einen schönen und einigermassen zahlbaren Standplatz an der Marina von Longeuil, nordöstlich von Montréal gefunden (CAD 50.-/Nacht ohne Dusche, aber mit inoffizieller Mitbenutzung der Toi-Tois am Hafen). Weitere Vorteile sind das Zentrum von Vieux-Longeuil in Gehdistanz, wo wir mit dem «Trebbiano» einen sehr feinen und authentischen Italiener finden, und vor allem die nahe Station der Navettes Fluviales.

Wir bleiben insgesamt 4 Nächte auf dem Platz, damit ich mich von der Reise und dem Jetlag erholen kann. Wir machen einen Ausflug mit der Personenfähre der Navettes Fluviales nach Montréal, das uns von seiner Ausstrahlung her sehr gut gefällt. Montréal ist die einzige zweisprachige Stadt in der ansonsten französischsprachigen Provinz Québec, was uns sehr entgegenkommt… Wir schlendern durch die europäisch anmutenden Strassen, bestaunen die Architektur aus verschiedenen Zeitperioden, besuchen eines der historischen Stadtmuseen und genehmigen uns ein Zmittag in einer Crêperie. Nicht zuletzt ist nur schon die Hin- und Rückfahrt auf dem mächtigen, reissenden St. Lorenz-Strom sehr eindrücklich.
Ausser einem Nachtessen im nahegelegenen Hafenrestaurant speisen wir immer im «Trebbiano». Als uns der Wirt schon als Stammgäste begrüsst, müssen wir dann aber leider endgültig abreisen. Wir wollen ja nach Süden!

 

Auf nach Maine

Am Montag, 11. September ist es dann soweit! Nach rund 4 Stunden Fahrzeit erreichen wir den Jackman Port of Entry. Wir werden nach dem Woher und Wohin gefragt und dürfen für unser I-94 (sechsmonatige Aufenthaltsgenehmigung) wieder mal Fingerabdrücke abgeben und Foto machen. Alles geht zügig voran und bald heisst es: Welcome to the USA!

Wir hatten uns schon lange darauf gefreut, endlich wieder einmal unsere Freunde Sandy und Mike in Maine zu sehen, doch sie hatten ein strubes Jahr und sind voll im Stress, weshalb es leider nichts wird mit einem Treffen. Schade, aber es klappt sicher ein anderes Mal.

Da wir nun im Herbst in den New England-Staaten sind, möchten wir natürlich den berühmten «Indian Summer» erleben! Als wir dies den Einheimischen erzählen, ernten wir erst mal verwirrte Blicke. Als wir unseren Wunsch beschreiben, werden wir aufgeklärt, dass die weltberühmten Herbstfarben hier nur (Fall oder Foliage) Colors heissen oder ganz prosaisch vom turning of the leaves gesprochen wird… (Der «Indian / St. Martin’s / Second Summer» bezieht sich nur auf eine kurze Schönwetterperiode mit warmen Temperaturen, die nach dem ersten richtigen Frost auftreten kann).

Aber egal, wie es nun genau heisst, wir sind definitiv noch zu früh…

Es war die letzten Wochen aussergewöhnlich warm und auch trocken und die Bäume brauchen eine gewisse (Nacht-)Kälte, um die Farbe zu wechseln. Den Bäumen reicht es offenbar noch nicht, aber für unseren Geschmack ist es in den ersten Tagen doch schon sehr kalt und vor allem sehr nass.
Gerade auf unserem ersten Stellplatz sind wir etwa einen Kilometer vom Plumpsklo entfernt – ein Königreich für ein Pferd (oder ein E-Bike!).

Da uns die Campgrounds in dieser recht touristischen Umgebung zu teuer sind, verbringen wir die nächsten Tage auf dem Quill Hill. Dabei handelt es sich um einen wunderschönen Aussichtspunkt hoch über den Wäldern und Seen von Maine. Der Platz wurde von Adrian Brochu erschlossen, der im Holzgeschäft tätig war. Es war ihm eine Herzensangelegenheit, diesen wunderschönen, privaten Platz allen zugänglich zu machen. Er hat verschiedene Aussichts- und Picknickpunkte angelegt und diese mit Fusswegen verbunden. Nach den Bildern auf Google Maps sieht es so aus, als seien sogar mal kleine Stellplätze geplant gewesen. Leider ist er im Jahr 2019 verstorben und diese Ausbuchtungen sind inzwischen fast alle überwuchert. Einen finden wir aber noch und es gefällt uns so gut hier oben, mit der schönen Aussicht und den wechselnden Lichtstimmungen, dass wir gleich drei Tage bleiben. Ein netter «Ranger» informiert uns dann am zweiten Nachmittag, dass Übernachten hier oben nicht gestattet sei. Eine Nacht lässt er uns noch bleiben und wir erleben genau an dem Abend einen sensationellen Sonnenuntergang.

 

Nach New Hampshire und auf den Mt. Washington

Auf diesem tollen Hügel hatten nicht nur wir uneingeschränkte Sicht, sondern auch unser StarLink.
Wir haben zwar nun theoretisch die freie Platzwahl, weil wir nicht mehr auf fremdes Wifi bzw. cell service angewiesen sind, doch praktisch ist es nun fast noch komplizierter als früher. Damals mussten wir auf die Karte mit der Netzabdeckung und ggf. deren Überlappung mit public land achten, heute heisst es: keine Bäume/Hindernisse direkt über uns und (im Moment) in Nordrichtung. In den New England-Staaten, die gefühlt zu 99% aus dichten Wäldern bestehen, schränkt das die Platzwahl doch erheblich ein…

Ozy hat aber inzwischen den sehr hübschen (und auch bezahlbaren…) Aziscoos Valley Campground an der Grenze zu New Hampshire gefunden, der über eine grosse Wiese verfügt. Wir geniessen die Dusche und Möglichkeit, unsere Kleider zu waschen, während wir im September das Aprilwetter zur Kenntnis nehmen. Einerseits ist es kalt und regnet in Strömen, andererseits wird es auch so richtig heiss. Wir entdecken, dass unser Klappdachsystem bei Starkregen hinten Wasser einlässt – alles auf der Ablage über dem Bett liegt in einem See (zumindest ist diese dicht…). Wir hatten das Problem in Nevada schon mal, hatten es dort aber auf den starken Wind geschoben und die Flächen, wo die Seitenflügel an die Rückwand stossen, besser abgedichtet. Offenbar kommt das Wasser aber hinten am Scharnier herein, über dem früher eine Kederschiene angebracht war, die vermutlich das Wasser abgeleitet hat. Mal gucken, wie wir das Problem lösen… Inzwischen wird erst mal alles getrocknet bzw. in den Tumbler geworfen.

An einem schönen Tag begebe ich mich auf eine Wanderung in die benachbarten Wälder. Auf den diversen Karten, die ich zurate ziehe, waren eine Strasse und einige Trails verzeichnet, doch ist heute alles fast komplett überwachsen und teilweise sehr sumpfig. Nachdem ich eine recht frische Bären- und Elchfährte angetroffen habe, schnappe ich mir einen Stock und gehe laut singend noch ein Stück weiter zum Trailhead. Der Trail ist – zumindest von dieser Seite – auch nicht (mehr) so richtig markiert, weshalb ich meinen Plan aufgebe, auf den Aussichtspunkt zu steigen. Ich muss mich ja auch wieder zurück durch den «Dschungel» schlagen…

 

Nach fünf Nächten auf dem gastlichen Platz fahren wir über die «Grenze» nach New Hampshire, wo wir den Mount Washington besuchen wollen. Dieser gehört zur «Presidential Range» der White Mountains innerhalb der Appalachen, d.h. es gibt hier noch einige weitere Berge, die nach ehemaligen Präsidenten benannt sind, und ist mit 1’917 m / 6,288 ft die höchste Erhebung im Nordosten der USA. Man könnte (gegen Entgelt) selber hinauffahren, doch lassen wir uns lieber gemütlich hinaufchauffieren. Und zwar wörtlich: Der Gipfel ist mit einer Zahnradbahn erschlossen, deren aus nur einem bunten Waggon bestehenden Züge von jeweils einer kleinen Dampf- oder Diesellok den Berg hinaufgestossen werden.

Die Strecke wurde 1869 erbaut und ist damit die weltweit erste aus überwiegend touristischen Gründen angelegte Zahnradbahn auf einen Gipfel, knapp vor der Viznau-Rigi-Bahn… (Immerhin ist die Zahnradtechnik dem 1863 von Niklaus Riggenbach patentierten und nach ihm benannten System sehr ähnlich). Sie befährt – nach der Pilatusbahn – die zweitsteilste Strecke der Welt mit einer durchschnittlichen Neigung von 25% und einer Maximalneigung von 37%. Die mit Klapp-Lehnen versehenen Sitzbänke sind schräg eingebaut und auch der Oberbau der Lok inkl. Dampfkessel sitzt «schräg» auf dem Fahrgestell. Man hat beim Hinauffahren das Gefühl, dass die Bäume hier diagonal wachsen…

Auf dem Gipfel hat man Zeit, die Aussicht zu geniessen (wenn es eine hat…) und sich etwas die Füsse zu vertreten. Mt. Washington ist für sein extremes Wetter bekannt und zählt klimatisch sogar zu den kargsten und windreichsten Gegenden der Erde. Hier wurden gemäss Wikipedia mit 372 km/h die bis 1996 weltweit höchste Windgeschwindigkeit und im Februar 2023 mit −77,8 °C / −108 °F der höchste Windchill-Effekt der USA gemessen. Wir hatten diesen Ausflug anhand der Wettervorhersage geplant und es funktioniert dann tatsächlich recht gut: Wir haben zumindest teilweise Sicht und auch die Temperaturen sind einigermassen erträglich.

Netterweise darf man auf dem overflow-Parkplatz der Bahn übernachten und wir erleben einen farbigen Sonnenuntergang. Fast noch schöner ist es allerdings, am Morgen vom dezenten «huff, huff» der ersten Loks geweckt zu werden, die für die Morgenfahrt eingefeuert werden. Ich gehe gleich nochmals hinauf, um ausführlich zu fotografieren und zu filmen – die Mini-Dampfloks sind einfach faszinierend!

 

Und wieder zurück zur Küste

Da sich die Wälder New Hampshires noch nicht verfärben wollen, haben wir beschlossen, zu warten. Doch statt uns in besagten Wäldern herumzutreiben, wollen wir etwas mehr Aussicht für uns und unseren «Linky».

Also ab an die Küste von Maine!

Neben der Aussicht gibt es dort natürlich auch noch andere Annehmlichkeiten wie frische Lobster und Muscheln und nette Trails. Vorbei an Bretton Woods (bekannt durch die Konferenz von Bretton Woods vom 1. bis zum 22. Juli 1944) fahren wir zum Meadowbrook Campground, der auf einer Art Halbinsel zwischen dem Kennebec River und einem tief eingeschnittenen Meeresarm liegt. Wir bleiben gleich fünf Nächte, nicht zuletzt wegen des Essens… Sie bieten nämlich nicht nur Frühstück an, sondern haben im Office ein Becken, aus dem man sich einen Hummer (plus, wenn man möchte einen Maiskolben) aussuchen kann, der dann zur gewünschten Zeit frisch gekocht direkt zum Camper geliefert wird!
Soooo gut!

Dazwischen mache ich Wanderungen durch die hübsche Umgebung und wir machen etwas sightseeing, wozu Popham Beach und die beiden dort gelegenen Forts gehören: das Fort Popham, 1861 während des Sezessionskriegs begonnen und nie ganz fertig gebaut, sowie Fort Baldwin, 1905 und 1912 bzw. WW II.
Wir haben auf dem Campground auch ein nettes Nachbarpaar, mit dem ich wieder mal Französisch üben kann… (Roland kommt ursprünglich aus Biel, Louise aus Québec).

Bei unseren Erkundungen haben wir einen anderen Campground gefunden, der etwas günstiger ist (kein elektrischer Anschluss und die frisch gekochten Lobster und Muscheln muss man selber vorne im Kelp Shed abholen). Der riesige Hermit Island Campground liegt auf einer Halbinsel, die zur selben «Halbinsel» gehört, und bietet viele weit verstreute Plätze im Wald und an der Küste. Er gefällt uns so gut, dass wir gleich eine site reservieren: Wir bekommen ein sehr hübsches Plätzchen auf unserer eigenen Halbinsel, also die Halbinsel auf der Halbinsel auf der Halbinsel ;-). Als wir ankommen ist Ebbe, aber am nächsten Morgen stehen wir fast im Wasser und können den Möwen direkt von unserem Fenster aus ins Angesicht blicken! Es stellt sich heraus, dass der Vollmond gerade besonders nahe an der Erde ist…

Auf der Campground-Halbinsel gibt es verschiedene schöne Trails, die ich ebenfalls abwandere und mich dabei an der ungeheuren Vielfalt an Pilzen und der hübschen Küste freue.

 

Zweiter Anlauf: Wieder nach New Hampshire!

Inzwischen ist es Oktober geworden und wir wollen unser Glück nun wieder im Landesinneren versuchen. Tatsächlich haben sich die Bäume schon etwas mehr verfärbt und dass wir uns langsam unserem Ziel nähern, sehen wir auch an den zahlreicher werdenden «welcome leave peepers»-Tafeln.

Über den White Birches Camping Park in New Hampshire (mit nettem Trail) gelangen wir zurück in die White Mountains, eines der Hauptzentren der Herbstfarben-Fetischisten.

 

Und hier in den White Mountains ist der Farbenrausch nun tatsächlich endlich ausgebrochen! Ich kann mich kaum sattsehen und bekomme fast wunde Finger vom Fotografieren!

An eine Wanderung auf einem der zahlreichen bekannten Trails ist aufgrund akuten Parkplatzmangels leider nicht zu denken (wir kommen uns fast vor wie im Yellowstone!), aber immerhin kann ich die sehr coole Lost River Gorge & Boulder Caves besichtigen, die nicht so überlaufen ist (ist ja auch kostenpflichtig…). Etwas später kann ich Ozy noch dazu überreden, mit mir die Flume Gorge anzusehen; zu Ozys Leidwesen ein 2 Meilen-Loop inkl. einiger Treppen… (auch kostenpflichtig und entspechend auch nicht sehr überlaufen, aber sehr, sehr schön!).

Durch den tief eingeschnittenen Franconia Notch verlassen wir die White Mountains und begeben uns ins angrenzende Vermont, wo wir für eine Nacht auf dem Breezy Meadows Campground unterkommen (sehr nette Besitzer, super Shop).

 

Vermont, das Land, wo Milch und Ahornsirup fliessen

Da sich die Übernachtungssituation langsam etwas schwierig gestaltet (viel privates Land und wegen der Herbstsaison hohe Preise), hat Ozy auf HipCamp geguckt und für die nächsten zwei Nächte einen interessanten Übernachtungsplatz gefunden.

HipCamp ist sozusagen die Gegenorganisation zu Harvest Host: Im Gegensatz zu letzterem, wo Firmen wie Weingüter, Brauereien, Gärtnereien oder Eventcenter Übernachtungsplätze anbieten (und dafür entsprechende Konsumation/Einkauf erwarten), sind es hier Privatleute, die Plätze auf ihrem Grundstück zur Verfügung stellen. Wir waren ein Jahr Mitglied bei Harvest Host und irgendwie hat es in der Zeit einfach nie so richtig geklappt (falscher Tag der Woche, Verantwortlicher war nicht greifbar, …). Jetzt probieren wir es halt mal mit dieser HipCanp-Vereinigung, bei der man natürlich auch Mitglied werden muss. Die Übernachtungsplätze sind einigermassen preiswert, was uns aber stört ist, dass HipCamp jeweils eine ordentliche Provision absahnt und zwar nicht pro Vermittlung (das wäre ja ok), sondern in Prozent vom Gesamtbetrag! D.h. wenn man mehrere Nächte bleibt, ist auch die entsprechende Gebühr höher…

Der Platz, den Ozy gefunden hat, tönt super: bei einer Töpferin in der Näher von Cabot VT, die auch Sauna und Massage anbietet. Die Bewertungen zum Platz  waren toll und es wäre eigentlich auch ein sehr schönes Grundstück. Nur… ist die Besitzerin leider gerade mit ihrem Bruder und einem seiner Freunde am Gewächshaus-Bauen. Wir haben den Baulärm, sie ist gestresst und die Sauna entpuppt sich – zumindest für uns – auch nicht als das Wahre (es gibt keine Abkühlmöglichkeit und das Badezimmer befindet sich in ihrem Privathaus, d.h. wir müssen jedes Mal durch ihr Wohnzimmer, wenn wir mal aufs Klo oder duschen müssen). Irgendwie haben wir einfach Pech mit solchen Sachen…
Wir bleiben trotzdem die gebuchten zwei Nächte (das Geld für die dann nicht bezogene Massage bekommen wir wieder) und versuchen uns so gut es geht zu erholen. Schön wäre es ja schon hier!

 

Auf der Weiterfahrt besuchen wir den Granitsteinbruch «Rock of Ages» (inkl. kleinem Museum/Shop, einer grossen Werkhalle zur Verarbeitung des Granits zu Statuen und Monumenten sowie einer Kegelbahn aus Granit). Da wir einigermassen in der Nähe sind, bestehe ich natürlich auf einem Besuch bei Ben & Jerry’s. Wir sind allerdings nicht ganz die einzigen, die diese «süsse Idee» haben… Wir haben keine Lust, für ein Gratis-Glacé anzustehen und die Besichtigungstour ist auch schon für den ganzen Tag ausgebucht. Oh well. Als Trost kaufe ich mir im Shop ein Päckchen mit dough (Teigstückchen) meines Lieblingsglacés «The Tonight Dough» und einen Ben & Jerry’s Glacélöffel zur «ewigen Erinnerung». Und draussen besuchen wir noch den «Flavor Graveyard», wo die Glacésorten, die auf dem Markt untergegangen sind, «begraben» sind und jeweils mit einem witzigen Grabspruch geehrt werden. Einige Sorten sind wirklich etwas speziell, aber bei anderen fragen wir uns, warum sie nicht eingeschlagen haben. Nachdem wir uns noch etwas mit dem Parkplatzeinweiser unterhalten haben, der unser Gefährt ganz toll findet, fahren wir los, um in der Umgebung von Waterbury weitere Vermonter Agrotourismus-Highlights (mit entsprechendem Besucherandrang…) abzuklappern: Bei der Cold Hollow Cider Mill ergattern wir einen Becher frischen Apfelmost (so gut!) und schaffen es, ein halbes Dutzend der «berühmten Cider Donuts» zu erstehen. In der Cabot Creamery können wir verschiedene Sorten Cheddar Cheese verkosten (jeweils mit passenden Jellies dazu – lecker!) und ich entdecke, dass mir – wie schon bei Tillamook – der gut gereifte «Old School Cheddar» sehr gut schmeckt. Im Laden entdecken wir auch noch Vinho Verde, der muss natürlich auch noch mit…

Im gleich nebenan liegenden Lake Champlain Chocolates-Laden sind wir überwältigt von den schönen Pralinen – und den Preisen. Wir können uns gerade ein Säckchen 2. Wahl-Pralinen leisten, dann sind wir auch schon wieder draussen… Fazit: Vermont ist sehr schön und vermittelt den Eindruck von Bio, alternativem Leben und ländlicher Idylle. Und all das hat seinen Preis.

Zum Abschluss versorgen wir uns im Hannaford in Burlington noch mit ein paar Kleinigkeiten und dann ziehen wir uns völlig erschöpft in den Nachbarstaat NY zurück.

 

Was wir in New York State und an der Ostküste alles erleben, lest Ihr dann im nächsten Blog!

2 Gedanken zu „Auf der Suche nach den Farben – Von Montreal nach Vermont

  1. Liebe Steffi,
    schön, dass ihr für mich ein mir völlig unbekanntes Amerika bereist, beschreibt und bebildert. Danke vielmals! Ich bin schon gespannt wie es weiterging. – Ein Jahr später hoffe ich, dass ihr früh genug vor dem Tornado weggefahren seid…
    Liebe Grüsse und Wünsche
    Renate

    1. Vielen herzlichen Dank, liebe Renate!
      Ja, wir hatten Glück und haben nichts mit- oder abbekommen vom Tornado.
      Herzliche Grüsse
      Steffi

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